Warum Weißgold kein weißes Gold ist

Weißgold ist natürlich kein „weißes Gold“, sondern eine Gold-Legierung.
Gold wird selten als reines, pures „Feingold“ verwendet.

Das hat zum einem den Grund, dass Feingold relativ weich ist, und für Schmuckstücke die wirklich getragen werden sollen, kaum geeignet ist, zum anderen ist es nicht nur eine Kostenfrage, sondern auch eine Frage des Geschmacks, denn mit Hilfe der Zusatzmetalle in einer Goldlegierung, kann man den Farbton beeinflussen.

Fakt ist: Gold, das Element und reine Metall, ist immer gelb!

Es gibt KEIN weißes, graues oder rotes Gold!

Weißgold ist eine Art Newcomer in der Schmuckbranche und wird erst seit ca. 100 Jahren verwendet.
Es wurde ursprünglich als „preiswertere“ Platin Alternative entwickelt, als Platin in der Zeit des Art Déco in Mode kam.

Weißgold sollte idealer Weise eine Legierung aus Gold, Palladium und Silber sein (also nur Edelmetalle!).
Das Palladium dient als „Weißmacher“. Es hat so eine starke Wirkung, das der goldene Farbton des Goldes weites gehend „geschluckt“ wird, dazu sollte es einen Anteil von mind. 15% haben.

Palladiumweißgold hat ein platinähnliches Grau, oxidiert nicht und ist sehr zäh.

Erste Weißgoldlegierungen wurden, wegen des hohen Schmelzpunktes des Palladiums, mit Nickel legiert.
 

Das ist heute nicht mehr notwendig. Leider gibt es immer noch einige schwarze Schafe, die statt Palladium Nickel oder Mangan als Zusatzmetalle verwenden.

Diese Metalle könne aber nicht nur Allergien hervorrufen, sondern werten

die Legierung, und damit das ganze

Schmuckstück ab.

Bei keiner anderen Gold-Legierung gibt es solch eine Bandbreite an verschiedenen Legierungs- Zusammensetzungen, wie beim Weißgold.

Meine Erfahrung durch Reparaturen von Fremdware zeigt es immer wieder: die meisten sogenannten „Weißgold“-Schmuckstücke haben unter ihrer Rhodium-Schicht nur eine mäßig attraktive, schmutzig-gelbe Farbe. Das ist sehr bedauerlich für den Kunden, denn ist die Rhodium-Schicht einmal abgetragen, kommt der wahre Kern zum Vorschein. Natürlich kann man eine Rhodium-Schicht erneuern, aber das ist häufig sehr kostspielig.

Möchte man ein dauerhaft schönes Schmuckstück, ohne Folgekosten, sollte man unbedingt immer Palladiumweißgold nehmen!

Bei Weißgold kommt es darum umso mehr darauf an zu Fragen, welche Zusatzmetalle in der Legierung enthalten sind!!

Die Weißgoldlegierungen haben folgende Eigenschaften:

750/- Weißgold (18 ct.) braucht einen mind. 20% Palladium-Anteil. Der Grund ist, dass die Legierung zu 3/4 aus gelbem Gold besteht, daher kann es auch hier oft zu gelbstichigen Verfärbungen kommen.
Daher ist diese Legierung gerade für Ringe, Armbänder oder häufig getragenen Schmuck nicht unbedingt empfehlenswert.

Härte nach Vickers: ca. 140-240
 

585/- Weißgold (14 ct.) ist die schönste und alltagstauglichste Weißgoldlegierung.

Hier ist fast die hälfte der Legierung der „Weißmacher“ Palladium, daher behält 585/- Weißgold auch beim täglichen tragen sein Farbe.
Es ist hochwertig und gut zu verarbeiten.

Härte nach Vickers: ca. 160-250
 

333/- Weißgold (8 ct.) ist ... quatsch. Besser ist es hier direkt Palladium zu nehmen. Ein bißchen Gold und ein bißchen Silber in das Palladium zu mischen ist eher herumgepansche als legieren.

Zumal die meisten industriellen 333/- Weißgoldlegierungen hauptsächlich gar nicht mit Palladium sondern mit Silber und leider häufig auch unedlen Metallen wie z.B. Zinn oder Mangan legiert werden.

Reparaturen und Umarbeitungen werden unnötig kompliziert.

Oft ist es auch hier der Fall, dass Managan, Nickel oder ähnliches hinzu legiert wird, um zwanghaft einen günstigen Preis zu erzielen.

Härte nach Vickers: ca. 80 - 135 (bei Au/Ag)


Graugold und Rhodium

noch ein letztes Wort zu der irreführenden Bezeichnung Graugold.
Natürlich ist auch hochwertiges Weißgold streng genommen nicht wirklich „weiß“ sondern eben grau. Genau so wie Palladium, Platin und eigentlich eben alle Metalle außer Gold und Kupfer, eben grau sind. (Das hellste Metall ist übrigens Silber.)

Die Bezeichnung Graugold ist eine Pfiffige Erfindung der Industrie.

Die produzieren Schmuckstücke mit günstigen Weißgoldlegierungen, die eine recht unschöne Farbe haben, welche dann überrhodiniert werden, d.h. es wird galvanisch eine Schicht Rhodium* auf das gesamte Schmuckstück aufgetragen.
Nach einer Weile nutzt sich diese Schicht ab.
Das ist natürlich auch den, leider dann sehr enttäuschten Kunden, irgendwann aufgefallen.
Nun haben sich die gewitzten Strategen aus der Marketing Abteilung was ganz tolles einfallen lassen:
„Wir nennen Weißgold ab jetzt „Graugold“ und rhodiniertes Graugold nennen wir „Weißgold“, weil es ohne das Rhodium ja nun mal .... nicht so dolle aussieht.
Wir lassen dann den Kunden die Wahl, und können ggf. auch noch das teure Rhodium, mit dem wir unsere verpanschten Legierungen verschönern, sparen!“
Ganz tolle Idee! Bravo!

Egal was und wo Ihr kauft, bitte fragt IMMER nach den Zusätzen der Legierung! Bei Weißgold gilt: mind. 15% Palladium (!!!), Silber und natürlich Gold. Sonst nix.

(* Rhodium gehört, wie Palladium, zur Gruppe der Platin-Metalle und wird zur galvanischen Beschichtung verwendet.)

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